Frank aus Köln
- Helmut

- 17. Juni 2019
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 19. Feb.
Steine prasseln auf den Motorschutz. Rote Erde gibt diesem Tal seine Farbe. Rote Erde, wenn ich das schon höre. Die letzte rote Erde war ein Alptraum. Aber hier ist es trocken. Ich bin mit Adrian auf dem Weg nach Kochkor in Kirgistan. War es vormittags am Ala-Bel Pass noch grün und kühl, ist es hier Richtung Kyzart Pass rot und heiß. Ich konzentriere mich auf meine Spur, stehe auf, setzt mich nieder, weiche so gut wie möglich Schlaglöchern und Steinen aus. In der dichten Staubwolke des vor mir fahrenden Fahrzeuges geht plötzlich ein Licht auf, es kommt mir entgegen. Ein Motorrad gar? Jawohl, und es ist Frank.
Frank ist aus Köln. Ich traf ihn das erste Mal in den Bergen Tadschikistans, dann noch einmal am Toktogul See in Kirgistan. "Wie geht es dir, Frank und warum fährst du in diese Richtung?", frage ich ihn. "Och, ganz gut. Ich bin nur auf der Suche nach meinem Topcase", antwortet er.
Frank hat einen Koffer verloren. Gemeinsam fahren wir langsam die Strecke ab. Die Ventilatoren in den Motorrädern heulen im Gleichklang. Aber auch mir ist heiß und noch viel deprimierender ist der Umstand, dass wir keinen Koffer finden. Nach über einer Stunde Schrittgeschwindigkeit stehen wir an dem Platz in einem Dorf, an dem Frank zur Suche umkehrte. Wir trinken Wasser, spekulieren über den Verweil des Koffers und beschließen, hier eine Unterkunft zu suchen.
Und mehr als eine Unterkunft wird es auch nicht. Der Ort wirkt geisterhaft. Staub, überall Staub. Nicht einmal die Hauptstraße ist geteert. Es gibt keine Straßenbeleuchtung, Kabeln aller Art hängen bis auf Kopfhöhe herunter. In der Dämmerung brettern die hinnichen Kraxn ohne Licht durch die Schlaglochpiste, dass es nur so tuscht und staubt und minutenlang ist nichts zu sehen. Neben der "Straße" ist ein Wasserkanal angelegt, ungesichert natürlich. Bröckelnde Betonstufen zu den mäßig beleuchteten Geschäften komplettieren diese Tristesse. Hier würde keiner von uns leben wollen oder gar begraben sein, doch diesen Menschen scheint das nicht zu stören. Sie sind freundlich und lachen. Kinder fahren mit Rädern durch die Straßen, spielen Fußball und sind glücklich.
In unserer heruntergekommenen und abgewohnten Unterkunft sitzen wir bei Bier und etwas Wodka beisammen. Immerhin gibt es Strom und somit sitzen wir nicht ganz im Dunkeln. Frank scheint der heutige Verlust nicht sehr zu stören. Es war ja nur der Fotoapparat, eine Jacke und Werkzeug im Koffer. Ich würde so heulen, doch der "kölnsche" Humor dürfte Frank da sehr helfen. Beneidenswert. Am übernächsten Tag verabschieden wir uns in Karakol am Issyköl See und lange noch muss ich über die letzten Tage nachdenken.
Zwei Tage später erreicht uns und eine Nachricht von Frank. Er hat sein Topcase wieder! Unglaublich! Eine einheimische Frau aus einem kleinem Dorf veröffentlichte ihren Fund auf Facebook. Ganz Kirgisien wusste auf einmal über den Fund einer "mysterösen silbernen Box" bescheid. Und dann kamen jemandem Franks Seitenkoffer bekannt vor und informierte ihn über die Facebook Hysterie.

Frank (links) aus Köln
https://abnb.me/.SfHsXhLvzX
und Adrian from London

Pause am Ala-Bel Pass (3484 m).

Toktogul See Kirgistan.

Fotosession am Issyköl See.


Kohleabbau Arbeitersiedlung am Kyzart Pass (2664 m).

Kasachstan auf dem Weg nach Almaty.

Am Issyköl See im Tianshan Gebirge, Kirgistan.



Zwei Milky Way in der linken Brusttasche und man wetteifert mit den stolzen Blick eines Adlers. Noch viele prägende Erlebnisse wünsch ich dir.